

Auf Kul-Tour in Lauheide
Erstbesucher auf Lauheide werden überrascht sein, wie weitläufig diese Waldfriedhofsanlage ist. Nehmen Sie sich Zeit, um diese schöne Landschaft und die lebhaften Naturschätze auf sich wirken zu lassen.
Dies ist zudem eine interessante Möglichkeit, um auf aktive Weise Schulkindern ein Stück Kulturgeschichte nahe zu bringen, auch im Hinblick auf vergangene Kriegsereignisse und deren sichtbare aber "schweigende" Folgen. Einen Leitfaden für Ihren ersten "Trip" haben wir hier für Sie zusammengestellt.
Kulturwanderweg über den Waldfriedhof Lauheide
Auf Klick können Sie sich den Übersichtsplan vergrößern und den Wanderweg mit seinen Natur- und Kulturstationen verfolgen. Zu jedem Punkt haben wir Hintergrundinformationen zusammengestellt:
Allgemeines, Würdiges und Narurschätze
Der Waldfriedhof Lauheide wurde 1942 eröffnet und ist heute der größte städtische Friedhof Münsters. Er liegt eingebettet in ein Naherholungsgebiet direkt an der Ems zwischen Handorf, Westbevern und Telgte. Auf einer Fläche von 82 Hektar sind rund 41.000 Gräber harmonisch in das Waldgebiet integriert. Der Friedhof wurde 2014 als „Schönster Friedhof Deutschlands“ ausgezeichnet.
Lesen Sie Sich am Eingang die Infos auf dem Schild „Naturschätze“ durch - dann werden Sie noch aufmerksamer auf die Schönheiten der Natur sein.
Das Kolumbarium bietet eine moderne und würdige Möglichkeit der Urnenbestattung in einem geschützten Innenraum, aber wenn Sie schon mal da sind und die Sonne scheint, dann gönnen Sie sich einen Blick in den Innenhof, der fast etwas an einen alten Klosterinnenhof erinnert.
Schauen Sie zur Linken und zur Rechten
Was hier wie der Eingang zu einem Park anmutet, ist das ehemalige Flussbett der Ems, bekannt als die „Schlenke“. Dieses fossile Flussbett durchzieht das Friedhofsgelände und ist in der Gesamtanlage deutlich erkennbar. Nicht nur als ein geologisches Relikt, sondern auch ein ökologisch wertvoller Lebensraum. Sie beherbergt eine artenreiche Flora und Fauna, darunter zahlreiche Vogelarten, Amphibien und seltene Pflanzen.
Die Integration der Schlenke in die Friedhofsanlage schafft eine besondere Atmosphäre der Ruhe und Besinnung. Sie verbindet die historische Bedeutung des Ortes mit seiner heutigen Funktion als Ort des Gedenkens und der Erholung. Besucher können entlang der Schlenke spazieren und die natürliche Schönheit des Friedhofs erleben.
Eine Berühmtheit liegt auf Lauheide
Gerhard Johannes Paul Domagk (1895–1964) war ein deutscher Pathologe und Bakteriologe, der für seine bahnbrechenden Arbeiten zur Entwicklung von Chemotherapeutika gegen bakterielle Infektionen bekannt wurde. Er erhielt 1939 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für die Entdeckung der antibakteriellen Wirkung von Prontosil, dem ersten wirksamen Sulfonamid.
Wissenschaftliche Leistungen:
Prontosil war das erste Medikament aus der Gruppe der Sulfonamide, das gegen bakterielle Infektionen wirksam war. Es stellte einen medizinischen Durchbruch dar, weil es zeigte, dass bakterielle Erkrankungen chemisch behandelbar sind – lange vor der Entdeckung von Penicillin. Domagk entdeckte die Wirkung von Prontosil in den 1930er Jahren bei Bayer (Teil des I.G. Farben-Konzerns) in Leverkusen. Die Sulfonamide wurden zur Behandlung von Krankheiten wie Streptokokkeninfektionen, Lungenentzündung und Blutvergiftung eingesetzt.
Er studierte Medizin und diente im Ersten Weltkrieg als Sanitätsoffizier – ein Erlebnis, das sein Interesse an Infektionskrankheiten prägte. Nach dem Krieg war er als Professor für Pathologie an der Universität Münster tätig und später Leiter der bakteriologischen Abteilung bei Bayer.
Nobelpreis unter Zwang:
Obwohl er 1939 den Nobelpreis zugesprochen bekam, konnte er diesen zunächst nicht annehmen, weil das NS-Regime (nach der Affäre um Carl von Ossietzky) deutschen Staatsbürgern verbot, den Nobelpreis anzunehmen. Domagk wurde von der Gestapo verhaftet und kurzzeitig inhaftiert, nachdem er den Preis dennoch annehmen wollte. Erst 1947 – nach dem Krieg – konnte er die Nobelpreisurkunde und -medaille entgegennehmen, allerdings ohne das Preisgeld.
Neben dem Nobelpreis erhielt Domagk zahlreiche Auszeichnungen, darunter Ehrendoktorwürden und wissenschaftliche Mitgliedschaften. Nach ihm ist unter anderem die Domagkstraße in verschiedenen deutschen Städten benannt sowie die Domagk-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Chemotherapie. Seine Forschung war Wegbereiter für die moderne Antibiotikatherapie und hat unzählige Leben gerettet.
Man muss schon genau hinschauen
Im nördlichen Bereich des heutigen Friedhofsgeländes befinden sich drei markante Hügelgräber, die auf eine Nutzung des Areals als Begräbnisstätte zwischen 2000 und 1500 v. Chr. hinweisen. Diese Grabhügel, mit Durchmessern von bis zu 25 Metern, stammen aus der ausgehenden Jungsteinzeit oder älteren Bronzezeit und sind heute noch als Bodendenkmäler sichtbar.
Zusätzlich wurden Urnenfunde aus der jüngeren Bronzezeit und älteren Eisenzeit (ca. 1000–500 v. Chr.) entdeckt, was auf eine kontinuierliche Nutzung des Geländes für Bestattungen über mehrere Jahrhunderte hinweg hindeutet.
Bei Ausgrabungen im Jahr 1989 wurden Hinweise auf eine Siedlung aus der römischen Kaiserzeit oberhalb der Ems gefunden, was die historische Bedeutung des Gebiets weiter unterstreicht. Einige der gefundenen Urnen aus der Bronze- und Eisenzeit sind im Eingangsbereich des Verwaltungsgebäudes des Waldfriedhofs Lauheide ausgestellt. Weitere Funde können im Archäologischen Museum in Hamm besichtigt werden.
Hier gibt es jede Menge Leben zu entdecken
Die Emsauen rund um den Waldfriedhof Lauheide sind ein beeindruckendes Beispiel für naturnahe Flusslandschaften im Münsterland. Sie bieten nicht nur einen Lebensraum für eine vielfältige Flora und Fauna, sondern auch Möglichkeiten für Erholung und Naturerlebnis. Die besondere Landschaft und Ökologie ist abwechslungsreich und durch Feuchtwiesen, Sandbänke und Altwässer geprägt.
Diese Strukturen bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, darunter seltene Libellen wie die Gebänderte Prachtlibelle und die Gemeine Keiljungfer.
Auch Vogelarten wie der Flussregenpfeifer nutzen die Sandbänke als Brutplätze. Ein besonderes Merkmal der Emsauen bei Lauheide ist die naturnahe Beweidung durch robuste Tiere wie Heckrinder und Konik-Pferde. Diese ganzjährig lebenden Tiere tragen zur Offenhaltung der Landschaft bei und fördern die Biodiversität.
Zum Gedenken und Ermahnen
Die Deutsche Kriegsgräberstätte auf dem Waldfriedhof Lauheide ist ein bedeutender Ort des Gedenkens an die Opfer des Zweiten Weltkriegs. Sie wurde nach dem Einheitsmodell des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge gestaltet und umfasst rund 900 Gräber, die auf acht Gräberfeldern (A–H) ovalförmig um eine Heidelichtung angeordnet sind. Jedes Grab ist durch ein Natursteinkreuz gekennzeichnet.
Ein zentrales Hochkreuz aus Naturstein sowie eine Steinsäule mit einem Namenbuch der hier Beigesetzten ergänzen die Anlage.
Die ersten Bestattungen fanden im Dezember 1941 statt und betrafen Soldaten, die in Lazaretten der Stadt verstorben waren. Viele der hier Ruhenden sind Einheimische, die bei Luftangriffen auf Münster im Oktober 1943 und September 1944 ums Leben kamen, darunter 215 Frauen und 40 Kinder. Auch 28 Ausländer wurden auf dieser Anlage bestattet.
Hier ruhen in Frieden ...
Dies sind zwei bedeutende Ehrenfelder, die an die Opfer der Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs erinnern. Das Polnische Ehrenfeld wurde von der Stadt Münster eingerichtet und umfasst ein 30 x 40 Meter großes Areal. In der Mitte befinden sich 84 Steinkreuze sowie ein 1,80 Meter hohes Steinkreuz mit den Namen der hier Bestatteten.
Die meisten der 77 hier ruhenden Personen waren Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die während des Krieges im Münsterland eingesetzt wurden. Viele von ihnen starben infolge von Seuchen, Überarbeitung oder wurden hingerichtet.
Direkt nebenan befindet sich das Russische Ehrenfeld, auf dem 164 sowjetische Bürgerinnen und Bürger bestattet sind. Auch sie waren überwiegend Zwangsarbeiter, die unter menschenunwürdigen Bedingungen litten und starben. Ihre Namen sind, soweit bekannt, auf einem gemeinsamen Gedenkstein eingemeißelt. Beide Ehrenfelder sind Teil des umfassenden Gedenkens auf dem Waldfriedhof Lauheide, der insgesamt über 1.100 internationale Kriegsgräber beherbergt. Sie dienen als Mahnmale gegen das Vergessen und für das Erinnern an das Leid der Opfer von Krieg und Zwangsarbeit.
Bitte nehmen Sie sich etwas Zeit ...
Bevor wir hier auf die Fakten über diese Grabstätte eingehen – lassen Sie die Gestaltung und Großzügigkeit der Anlage auf sich wirken. Liebevoller und professioneller kann man eine Gedenkstätte fast nicht pflegen, bepflanzen, wässern und hegen. Die Anlage des Britischen Ehrenfriedhofs ist durch eine Mauer vom restlichen Waldfriedhof abgegrenzt und zeichnet sich durch eine klare, symmetrische Gestaltung aus. Die Grabsteine sind einheitlich gestaltet und tragen neben Name, Dienstgrad, Einheit und Alter des Verstorbenen, oft auch persönliche Inschriften.
Ein zentrales Hochkreuz (Cross of Sacrifice) erinnert an die Gefallenen. Die Pflege und Instandhaltung des Friedhofs obliegt der Commonwealth War Graves Commission (CWGC).
Der Münster Heath War Cemetery (auch bekannt als Britischer Ehrenfriedhof) ist eine eigenständige Kriegsgräberstätte im nordöstlichen Bereich des Waldfriedhofs Lauheide. Er wurde 1946 von den alliierten Streitkräften auf einem 0,63 Hektar großen Gelände angelegt und dient als letzte Ruhestätte für Soldaten und zivile Angehörige des Commonwealth, die während des Zweiten Weltkriegs und der anschließenden Besatzungszeit in Deutschland ums Leben kamen.
Belegung und Herkunft der Bestatteten Insgesamt sind auf dem Friedhof 755 Kriegsgräber verzeichnet, darunter: 580 britische Soldaten, 5 Kanadier, 3 Neuseeländer, 1 Belgier und 82 britische Zivilisten, die als Mitglieder ziviler Organisationen den Streitkräften gleichgestellt wurden. Die Mehrheit der hier Bestatteten starb während der Kämpfe im Münsterland im Frühjahr 1945 oder in der anschließenden Besatzungszeit.
Mehr Respekt vor dem Leben
Dies sind spezielle Grabfelder für Körperspenderinnen und Körperspender, die der medizinischen Ausbildung an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster dienten. Diese sogenannten Anatomiegrabfelder sind Ausdruck des Respekts und der Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die ihren Körper nach dem Tod der Wissenschaft zur Verfügung gestellt haben.
Bedeutung der Körperspende
Im Rahmen des Medizinstudiums absolvieren Studierende den Kurs der makroskopischen Anatomie, indem sie die Strukturen des menschlichen Körpers eingehend kennenlernen. Diese Ausbildung ist nur möglich durch die Bereitschaft von Personen, ihren Körper posthum für Lehrzwecke zu spenden. Die Körperspende ist somit ein bedeutender Beitrag zur medizinischen Ausbildung und Forschung, auch wenn es erlaubt sein darf, dies mit gemischten Gefühlen zu betrachten.
Gedenkfeiern und Beisetzungen
Als Zeichen des Respekts und der Anerkennung organisieren die Medizinische Fakultät der Universität Münster und die Klinikseelsorge des Universitätsklinikums Münster jährlich konfessionell unabhängige Gedenkfeiern auf dem Waldfriedhof Lauheide. Diese Feiern finden meist im Mai oder Juni statt und werden von den Studierenden des 3. und 4. Fachsemesters mitgestaltet. Nach einem gemeinsamen Gottesdienst mit den Angehörigen erfolgt die Beisetzung der Körperspenderinnen und Körperspender in Urnengräbern auf dem Friedhof.
Gestaltung der Grabfelder
Die Anatomiegrabfelder sind harmonisch in die naturnahe Umgebung des Waldfriedhofs Lauheide eingebettet. Sie bieten einen würdigen Ort des Gedenkens für Angehörige, Studierende und die Öffentlichkeit.
Ein Ganz besonderes Gemeinschaftsgrabfeld
Aktueller Beitrag Lokalzeit Münsterland, ab Minute 11:24
Zu jeder Jahreszeit erwartet die Besucher hier ein gestalteter und gepflegter Garten. Das Gemeinschaftsgrabfeld wirkt wie eine Oase der Ruhe, eingebettet in die natürliche Waldlandschaft. Mit dem Konzept „Grüner Raum der Erinnerung“ ist auf dem Waldfriedhof Lauheide ein Platz geschaffen worden, der Angehörige und Besucher zum Innehalten einlädt.
Die Erinnerung an einen geliebten Menschen und die einhergehende Trauer erhalten hier einen ganz besonderen Ort außerhalb des Alltagsgeschehens. Von der ersten Grabbelegung an ist das gesamte Areal ein liebevoll angelegter Garten mit gesunden regionalen Pflanzen und schönen Gestaltungselementen. Die Gemeinschaftsgrabanlage wird von uns Friedhofsgärtnern durch alle Jahreszeiten und Wetterbedingungen kontinuierlich gepflegt.
Die Vorteile dieser Anlage werden Sie bei Ihrem Besuch überzeugen: Großzügige befestigte Hauptwege und fein geschwungene grüne Rasenwege führen barrierefrei zu den einzelnen Grabstätten. Ein Seerosenteich mit Sitzbänken bildet den herrlichen Mittelpunkt und eine Sitzgruppe mit Tisch bietet auch mehreren Besuchern einen Platz zum Verweilen. Standortgerechte Bepflanzungen untermalen den Gartencharakter − vom Bodendecker bis zu frisch und farbig blühenden Stauden.
Der alte gesunde Baumbestand auf der gesamten Anlage bildet ein schattenspendendes Dach und schafft einen fast magischen und beschützten Ort des Gedenkens und der Begegnung.
Mehr Infos für Sie: www.gruener-raum-der-erinnerung.de
Für echte Freunde der alten Eiche
Das Eichendreieck auf dem Waldfriedhof Lauheide ist ein markanter Bereich, der sich durch seinen alten Eichenbestand auszeichnet. Die Eichen in diesem Areal sind mehrstämmig gewachsen, was auf die historische Nutzung der Region als Heidefläche hinweist. Früher wurde aus der Rinde dieser Eichen Lohe gewonnen, ein Gerbstoff für die Lederherstellung (*exakte Erkärung folgt unten). Nach dem Schälen trieben die Bäume erneut aus und entwickelten mehrere Stämme. Heute bietet das Eichendreieck eine besondere Atmosphäre der Ruhe und Besinnung. Die Kombination aus den charakteristischen Eichen und der naturnahen Gestaltung des Friedhofs macht diesen Bereich zu einem einzigartigen Ort des Gedenkens.
Hauptsächlich zum pflanzlichen Gerben von Leder in der Grubengerbung (Langzeitgerbung in großen Bottichen) wurde Lohe verwendet. Die Häute wurden wochen- bis monatelang in Lohbrühen eingelegt. Lohe war ein begehrter Rohstoff, der sogar gewogen, gehandelt und besteuert wurde. Da die Eiche besonders viele Gerbstoffe enthält, ergab Eichenlohe besonders robustes, relativ wasserbeständiges Leder (z. B. für Sohlleder, Riemen, Zaumzeug). Andere Baumrinden (z. B. Fichte, Weide, Kastanie) wurden je nach Region auch genutzt, hatten aber teils geringeren Gerbstoffgehalt. Der Begriff „Lohmühle“ entstand, weil hier Mühlen entstanden, die die Rinde zerkleinerten und der „Lochgraben“ stand für die Grube für die Gerbung.
Was gibt es noch zu entdecken?
Wenn Sie nach Ihrem Spaziergang mehr über weitere Attraktionen in Lauheide erfahren möchten, dann haben wir auch hier eine Übersicht mit Bildergalerien für Sie vorbereitet: Zur Einkehr ins Gasthus Lauheide. Auf Entdeckungstour zum Kunstgarten Lauheide, der schön gelegene Caravan-Stellplatz Lauheide und Gärtnereien mit ihren üppigen Pflanzenangeboten.